Ving Tsun Kung Fu

Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten.

Friedrich von Schiller inDas Lied von der Glocke
Ving Tsun Kung Fu

Ving Tsun (Wing Chun) Kung Fu ist eine Kampfkunst, die vor etwa 300 Jahren im Süden Chinas entstanden ist. Der Legende nach wurde sie von einer buddhistischen Nonne im Shaolin-Kloster entwickelt. Über vier Generationen hinweg wurde die Kunst an nur ganz wenige Personen weitergegeben.

Yip Man beschloss letztendlich, das Ving Tsun auf breiterer Basis bekannt zu machen und unterrichtete viele Interessierte. Er starb 1972.

Zweifellos war Wong Shun Leung einer von Yip Man’s erfolgreichsten Kämpfern. Deshalb spielte er auch eine große Rolle bei der Entwicklung des Ving Tsun in Hong Kong. Dazu trugen sowohl seine zahlreichen Herausforderungskämpfe als auch sein berühmter Lehrling ‘Bruce Lee’ bei. Wong Shun Leung starb 1997.

Philipp Bayer führte Wong’s Ving Tsun in den 80er Jahren in Europa ein. Noch heute ist er eines der wichtigsten Bindeglieder für die Weitergabe und den Qualitätserhalt dieses einzigartigen Systems.

Logisch und einfach

Seine Popularität verdankt das Ving Tsun seiner Effizienz. Ving Tsun unterscheidet sich von anderen Kampfsystemen dadurch, daß einfache Prinzipien logisch umgesetzt werden. Es gibt kein “wenn-dann”- Denken. Deshalb ist das System auch immer noch als revolutionär zu bezeichnen. Ziel ist es, einen eventuellen Kampf so einfach, schnell und treffsicher wie möglich zu beenden. Dabei verwendet das Ving Tsun logische, mathematische und physikalische Prinzipien; dies verbirgt sich hinter dem Begriff der “economy of motion´.

Auch mental gibt es viele Aspekte, die mit Ving Tsun einhergehen. Persönliche Eigenschaften, Denkmuster und Selbstvertrauen sind genauso wichtig, und ihre Weiterentwicklung ist auch im täglichen Leben spürbar. Man lernt direkt zu denken, ohne Umwege und ohne Unsinn. Die Initiative zu ergreifen anstatt abzuwarten. Die eigenen Ziele zu verfolgen anstatt von einer Situation überrumpelt zu werden.

Ving Tsun (Wing Chun) ist eine auf höchste Wirksamkeit ausgerichtete Kampfkunst. Obwohl das regelmäßige Training zu Fitness und Leistungsfähigkeit führt, ist VTKF kein Kampfsport im engeren Sinne, denn es ist keinen Regeln unterworfen. Es zählt einzig die Frage, wie man sich in einer kämpferischen Auseinandersetzung am besten verhalten kann, um zu gewinnen. Das bedeutet aber keineswegs, daß im Ving Tsun unkontrolliert d´rauf losgeprügelt wird. Ganz im Gegenteil ist die genaue Kontrolle über die eigenen Handlungen ein wichtiges Ziel des Trainings. Im Kampf herrscht Chaos- Ving Tsun setzt diesem Chaos Struktur und Kontrolle entgegen. Mit der Kontrolle über sich selbst wächst auch die Kontrolle über den Gegner und damit ganz automatisch auch über die selbstverständlich zu erwartende Angst.

Weitere wichtige Trainingsziele und Prinzipien sind Schlagkraft, Schlagbereitschaft, Gleichgewicht, Taktik, Ökonomie der Bewegung (s.o.) und die Korrektur von Fehlern. Um diese Ziele zu erreichen, wird ein breites Spektrum an Trainingsmethoden eingesetzt. Dabei werden Techniken erst entwickelt, indem man sie für sich alleine übt, d.h. ohne Widerstand oder Druck von einem Trainingspartner oder Gegner. Die Qualität des Erlernten wird dann im Zusammenspiel mit Trainingspartnern überprüft und gefestigt. So beinhaltet das System seine eigene Qualitätskontrolle.

No-nonsense

Ving Tsun selbst zeichnet sich durch seine Nüchternheit aus (“NO NONSENSE”). Es beeinhaltet deshalb auch keine Akrobatik- oder Showelemente, wie man sie in bekannten ‘Jackie Chan’ oder ‘Jet Lee’ Filmen sieht. Diese sehen immer toll aus, sind aber sehr unrealistisch.

Die Ving Tsun Kampftechniken sind so entwickelt worden, daß sie auch gegen größere Gegner, sie über mehr Muskelkraft verfügen, anwendbar sind. Unter anderem die Explosivität der Techniken, die Gleichzeitigkeit von Verteidigung und Angriff und das Zentrallinienprinzip machen das Ving Tsun zu einer knallharten und schlagkräftigen Kampfkunst. Dennoch liegt die Priorität nicht bei der Kraft der Bewegungen oder bei der Gelenkigkeit, sondern bei der verwendeten Technik. Das macht das Ving Tsun für beinahe jeden möglich, unabhänging von Geschlecht und Alter. Beim Training geht es deshalb auch in erster Linie um das Erlernen und perfektionieren der Technik.

Mehr Informationen über die unterschiedlichen Schreibweisen finden Sie hier.

Abstammungslinie

Unsere Linie geht von Großmeister Yip Man über seinen Seniordozenten Wong Shun Leung hin zu Philipp Bayer.

Von links nach rechts: Philipp Bayer und Sebastian Schleifer

Mehr über die Geschichte von Ving Tsun finden Sie auf Wikipedia.